Pressemitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bayern Gemeinsam leben – gemeinsam lernen e.V.

Inklusion in Bayern: Marco B. darf nicht in die Schule

Obwohl in Bayern seit 2011 für Kinder mit Behinderung ein Wahlrecht zwischen Förderschule und allgemeiner Schule besteht wird die Umsetzung vor Allem dann schwierig, wenn ein Kind von der Förderschule an die allgemeine Schule wechseln soll. Der erste Reflex mancher Förderschule: Mauern !

Seit 1 Woche geht Helena B. täglich mit ihrem Sohn Marco an die Sprengelschule und bittet um Einlass. Den bekommt sie auch. Nach wenigen Minuten muss sie die Schule mit dem Kind wieder verlassen und nach Hause gehen. Der Grund: vor 2 Wochen hat sie den Schulplatz am Förderzentrum gekündigt und sich an der Sprengelschule gemeldet, weil sie Inklusion wollte. Marco sollte an seine Sprengelschule gehen. Dort heißt es aber: weder heute noch morgen noch jemals kann er den dort bekommen.

Das Erstaunliche: die Sprengelschule ist eine Schule mit dem Schulprofil „Inklusion“. Auf ihrer website wirbt sie: „Wir nehmen die Rechte der Kinder ernst und schließen alle Kinder in unsere Bildungs- und Betreuungsbemühungen ein. Dabei gehen wir von einer Gleichwertigkeit aller Menschen aus, „unabhängig von der Rasse, der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Sprache, der Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen, ethischen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, einer Behinderung, der Geburt oder des sonstigen Status des Kindes, seiner Eltern oder seines Vormunds“ (Rechte des Kindes, Art. 2, 1989). Unterschiedlichkeit und Vielfalt sind für uns wesentliche Faktoren der Inklusion, wir verstehen beides als Tatsache, Grundlage und Chance der selbstverständlichen Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft.“

Ebenso das Förderzentrum, auf dessen website steht:

„Von der vorschulischen Förderung der Kinder ab 3 Jahren bis zum Übertritt ins Berufsleben ist die Inklusion das oberste Ziel. Dazu suchen wir die Kooperation mit den Anbietern vorschulischer Einrichtungen, vor allem den Kindertagesstätten. Eine Einschulung in die Grundschule, gegebenenfalls mit sonderpädagogischer Unterstützung vor Ort, ist dabei das erklärte Ziel. Genauso bauen wir auch Kooperationen mit Grund- und Mittelschulen auf, um dort Schüler mit Förderbedarf in ihrer Klasse zu unterstützen und Schüler aus unserer Schule zurück zu führen. Wir sind auch Inklusionspartnerschule für die Werner-Egk-Schule in Augsburg.“

Marco und Helen B. haben das anders erlebt. Ihre Kündigung wollte man ihr im Förderzentrum nicht bestätigen. Erst seit sie Unterstützung vom Verein elwela e.V. erfährt heißt es, dass das Förderzentrum über den Wechsel nicht entscheiden könne, dass es ein Verwaltungsverfahren geben müsse.

Das stimmt aber nicht: das Förderzentrum müsste Marcos Wechsel nur zustimmen, dann könnte er sofort in seiner „neuen“ Klasse anfangen…

Martina Buchschuster von der LAG Bayern Gemeinsam leben – gemeinsam lernen hält hierzu fest: „Wir erleben öfter, dass ein Wechsel von der Förderschule an die allgemeine Schule schwierig ist. Da stellen sich Inklusionsbekenntnisse  oft als bloße Worthülsen heraus. Auf dem Weg zu einem inklusiven Schulbesuch haben Eltern immer noch viel zu viele Hürden zu überwinden. Einerseits  ist für die Förderschulen nicht einfach zu akzeptieren, dass sie nicht mehr der ‚allein selig machende Weg´ sein sollen für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Andererseits ist es für die Schulen vor Ort immer noch nicht selbstverständlich, Kinder auch dann willkommen zu heißen, wenn sie eine Behinderung haben. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass Eltern nicht ernst genug genommen werden.

Das sollte nicht sein. Vor Allem dann nicht, wenn eine Schule Werbung macht für ihre Inklusionsorientierung…“

 

Aystetten, 06.12.2014