Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen | Home arrow Info arrow Wegweiser zur Vorbereitung der inklusiven Beschulung am Wohnort des Kindes
Wegweiser zur Vorbereitung der inklusiven Beschulung am Wohnort des Kindes PDF Drucken E-Mail

Dieser Wegweiser soll Helfer sein, auf dem Wege sich für eine Nichtaussonderung Ihres Kindes einzusetzen. Er soll eine Vielfalt von Möglichkeiten aufzeigen, wie Eltern, Therapeuten, Frühförderer, Lehrer usw. in einem Unterstützerkreis für das Kind tätig werden können. Langer, langer Atem ist erforderlich und die Bereitschaft leider allzu oft als Bittsteller auftreten zu müssen und sich für eine unübliche Sache zu engagieren.

Doch bedenken Sie:

  • „Unüblich" ist Ihr Anliegen nur noch in Deutschland: In fast allen anderen europäischen Ländern ist gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung Selbstverständlichkeit.
  • Bereits 1997 hat das Bundesverfassungsgericht Integration als „verstärkt realisierungswürdige Alternative" zur Beschulung in Sonderschulen bezeichnet.
  • Im März 2007 hat die Bundesrepublik die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung unterzeichnet, in der vereinbart wird:„dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Grundschulunterricht und einer entsprechenden Sekundarschulbildung haben" (UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, Art. 24 Nr.2b)

 1.   sich selbst vorbereiten

  • Bücher( z. B. Prof. Jutta Schöler), Filme, Zeitschriften, Gedankenaustausch mit „alten Hasen"
  • Infos auch unter www.integration-bayern.de
  • Gleichgesinnte suchen: Selbsthilfegruppe oder Integrationsverein (evtl. selber gründen)
  • Ganz gezielt Argumentationsbausteine sammeln und sich auch mit Gegenargumenten vertraut machen.
  • Einsteiger-Info der LAG anfordern oder auf der Homepage nachlesen

2.   sich sicher sein, dass man den Weg der Nichtaussonderung beschreiten will, wenn es nur irgendwie sinnvoll für das Kind zu organisieren ist!

3.    das „Umfeld" vorbereiten

  • (= andere Eltern, Gemeinde ...)
  • integrative Mutter - Kind - Gruppe anstreben
  • möglichst wohnortnahen integrativen Kindergartenbesuch organisieren (Art.11 BayKiBiG)
  • im Elternbeirat mitwirken (auch später)
  • Info-Veranstaltung mit Fachleuten anbieten „Inklusive Schule, geht das?" (dazu Personen aus 2) 3) 4)  einladen)
  • hilfreich kann auch eine Unterschriftenliste der anderen Eltern, Elternbeirat, usw. sein

4.  Die Schule ansprechen (möglichst 2 Jahre vor Einschulung)

  • die Schule entscheidet autonom über das Recht des Kindes zum Besuch
  • Schulleiter, Lehrerkollegium, Elternbeirat informieren
  • möglichst den Kindergarten miteinbeziehen
  • positive Stellungnahmen zur „aktiven Teilnahme" Art. 41 BayEUG von Therapeuten, Kindergarten, Kinderarzt usw. vorlegen. Ein sonderpädagogisches Gutachten ist nicht erforderlich (Art. 41, Abs. 3 BayEuG)
  • Auf die Schuleinschreibung in der Sprengelschule bestehen! Schule auf mögliche Eingliederungshilfe hinweisen   

5.    Unterstützungsmöglichkeiten/Finanzierung

  • Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD): SonderschullehrerIn kommt mobil an einem Tag in der Woche bis zu 2 Stunden (Art. 21/3 BayEuG)
  • Schulbegleitung über die Eingliederungshilfe (§ 53, 54 SGB XII)

6.    Bieten Sie der Schule Unterstützung bei der Planung des inklusiven Unterrichts an

            Wichtige Grundsätze:

  • Versuchen Sie immer, Verbündete zu suchen oder zu gewinnen, egal an welcher Stelle Sie gerade anfragen.
  • Gegen den Willen von Lehrer, Schulleitung oder den anderen Eltern macht Integration wenig Sinn und ein Scheitern ist oft vorprogrammiert.
  •  Die erfolgreiche Nichtaussonderung lebt von dem gemeinsamen Ansinnen möglichst aller Beteiligten!! Natürlich müssen Sie trotzdem couragiert für den richtigen Weg ihres Kindes eintreten - aber Vorsicht(!) schon eine taktlose Bemerkung oder „unverschämte" Forderung kann Ihnen viele Türen zuschlagen.
  • Rechtzeitiges Anfragen lässt Wege offen und zwingt nicht sofort zu JA oder NEIN!

a) Räumliche Situation:

- Ist der Klassenraum - besser: sind die Räume für „offenen Unterricht" im 2 - Pädagogen - System (z. B. Wochenplanarbeit, Freiarbeit, Projektarbeit ...) geeignet?

- sind evtl. Umbaumaßnahmen erforderlich?

- evtl. Planung der Pausensituation bedenken

b) Schülerzahlen:

- wie kann eine Reduzierung der Klassenstärke erreicht werden

- ist evtl. eine Klassenteilung möglich?

c) Ausstattung:

- welche spezielle Ausstattung ist erforderlich?

- wer finanziert besondere sonderpädagogische Lehrmittel? (z. B. Krankenkasse, ...)

- gibt es Verfügungsstunden für die Lehrer?

d) Lehrerbildung:

- integrationsspezifische Aus- und Weiterbildung für alle Mitglieder des Teams anstreben

- Hospitationsmöglichkeit in erfahrenen Integrationsschulen ermöglichen

f) Organisatorisches:

- regelmäßige Teambesprechungen mit allen Beteiligten

  - auch den Eltern - einplanen

Geben Sie der Schule Vertrauen und die Sicherheit, dass Ihr Kind in der Schule gut aufgehoben ist.

Nachsatz:

Hoffentlich sind Sie jetzt nicht von der Fülle der Anregungen „erschlagen"! Dieser Wegweiser ist eine Sammlung von Möglichkeiten; natürlich sind nicht alle diese Punkte zwingend erforderlich, auch sind bei weitem nicht alle Punkte im jeweiligen Einzelfall möglich und gerade bei der Finanzierung ist nach wie vor mit großen Schwierigkeiten zu rechnen!!