Warum inklusive Schulen wichtig sind

erschienen in der Mitgliederzeitschrift des Paritätischen Landesverbandes Schleswig-Holstein von Magdalena Federlin

Kinder lernen am Vorbild - keine neue Erkenntnis, aber eine bedeutende. Mein Anliegen ist nicht, die kognitive Leistungs- und Lernfähigkeit der Kinder unter die Lupe zu nehmen. Studien belegen längst die hervorragenden Erfolge inklusiver Bildungssysteme. Mir geht es um das gesamte Angebot, das Kindern gegeben bzw. genommen wird: 

Die Erziehung eines menschlichen Selbstverständnisses jedes Individuums als Mitglied der Gemeinschaft, unabhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, mit dem Recht, anders zu sein. Dahinter steht eine humanistische Ethik, wie sie aus dem Grundgesetz, den Menschen- und Kinderrechten abzuleiten ist. Wenn das Gemeinwesen ernsthaft die Absicht hegt, Kinder zu nicht ausgrenzendem Verhalten zu erziehen, muss es dies im inklusiven Unterricht vorleben. Der Staat darf sich nicht eines aussondernden Bildungsapparates bedienen, der auf dem Altar der Elitebildung „schwache" Kinder opfert, darunter die zahlenmäßig starke Gruppe der Kinder aus sozial schwachen bzw. bildungsfernen Schichten und Kinder mit Migrationshintergrund. Prof. Jutta Schöler schreibt: „Die Gesellschaft kann sich nicht entwickeln, Menschen zu akzeptieren, welche anders, langsamer oder ungewohnt leben und lernen, wenn Kinder nicht die Gelegenheit haben, dies gemeinsam zu lernen." Wen wundert es da, dass kaum über die Bildungschancen von Kindern mit Behinderungen gesprochen wird? Die Erfahrung lehrt: Respekt für Menschen mit Behinderungen ist nicht angeboren, er muss erlernt werden. Wenn das Ziel die „Eingliederung in die Umwelt ist, dann kann sie sich nur in Familie und Umwelt vollziehen" (Ludwig-Otto Roser).
Kinder sind hier auf Vorbilder angewiesen - in einem Würde vermittelnden und Würde gebenden inklusiven Schulwesen.